Das hat mich immer schon fasziniert: Ich komme in eine fremde Kirche in Süddeutschland oder im Ausland, und ich fühle mich zuhause. Ich sitze beim Kirchentag mit Fremden auf einer Bank, ein Gespräch fängt an, und man redet, als ob man sich schon seit Jahren kennt. Unsere Gemeinde bekommt Besuch von Frauen aus meiner früheren Kirchengemeinde, und beim Kaffeetrinken ist schon an der Lautstärke zu merken, dass man sich viel zu sagen hat, obwohl man sich vor 20 Minuten das erste Mal im Leben gesehen hat.
Der christliche Glaube verbindet. Das kann ich spüren, wenn ich irgendwo auf dieser Welt einen Gottesdienst besuche und mich entweder schon bei der Begrüßung an der Kirchentür oder auch bei der Verabschiedung als Christ aus Deutschland zu erkennen gebe. Von einem „Herzlich willkommen“ bis zu einem „Gott segne dich“ reichen die guten Wünsche. Ein schönes Gefühl, an ganz unterschiedlichen Orten mit Menschen durch den Glauben eine gemeinsame Basis zu haben.

Natürlich leben die Christen auf dieser Welt ihren Glauben auf unterschiedliche Weise. Bei uns im Gottesdienst geht der „Klingelbeutel“ herum, mit dem die Kollekte eingesammelt wird, in Kanada geht jemand durch die Reihen und sammelt Gebetsanliegen ein, die dann vorgetragen werden. Die einen feiern den Gottesdienst mit Orgelmusik, andere haben ein Schlagzeug in ihrer Kirche aufgebaut. In Dänemark nimmt man beim Abendmahl den Wein aus „Schnapsgläsern“ zu sich, bei uns gibt es den Gemeinschaftskelch. Aber spätestens beim Vater-Unser ist wieder die Gemeinsamkeit zu spüren, auch wenn man unterschiedliche Sprachen spricht.

Aber auch innerhalb unserer eigenen Gemeinde gilt: Der Glaube verbindet! Wir treffen Menschen, die wir ohne die Gemeinschaft des Glaubens nie kennengelernt hätten. Mag die eine jung und der andere alt sein, die eine politisch eher rechts und der andere links orientiert, der eine sportlich, die andere das Gegenteil, Gesunde, Kranke... jeder findet seinen Platz. Wobei diejenigen, die einer anderen oder keiner Religion angehören, nicht ausgeschlossen sein sollen, denn Gott gebietet es, Fremden gegenüber gastfreundlich zu sein.

Ich muss zugeben, dass manchmal die Realität anders ist. Aber das liegt dann mehr an uns als an Gott. Denn ich glaube, dass der, der uns das Leben geschenkt hat, uns alle zu seinen Kindern erklärt.

Ihr W. Dressel