...Ecken und Enden

Wir vertrauen auf den guten Stern, beten die Sonne an, verbringen eine Woche im Urlaubsparadies – und da sage jemand, wir hätten keinen Sinn für Religion. Religiöse Symbole gibt es haufenweise. Fast jeder benutzt religiöse Redensarten, sei es ein gedankenlos hingemurmeltes „um Himmels willen“ oder die skurile Bemerkung eines Atheisten „Gott sei Dank gibt es keinen Gott.“

Im Ernst: Beim genauen Hinsehen wird man feststellen, dass ein Leben ohne jedes religiöse Gefühl und ohne jede religiöse Gefühlsäußerung fast unmöglich ist.

Das machen sich psychologisch geschulte Werbetexter und Grafiker zunutze. Sie wissen um die Sehnsucht nach Freiheit und Glück, nach Geborgenheit und Sicherheit, und sie knüpfen daran an. War es früher einmal Jesus Christus, der bei einem ist „alle Tage bis zum Ende der Welt“, so ist es jetzt „die Bank an Ihrer Seite“. Um Vertrauen werben alle, und wenn es um das Geschäft geht, stellen sich auch nichtkirchliche Unternehmen schon einmal vor eine Kirche. Sie werben um Vertrauen im Wissen darum, dass wir Menschen etwas oder jemanden brauchen, dem wir vertrauen können.

Als der Apostel Paulus auf seinen Reisen einmal nach Athen kam, bemerkte er unter den zahlreichen Heiligtümern, die in der Stadt aufgestellt waren, auch einen Altar, auf dem geschrieben war: „Dem unbekannten Gott“. Er spürte dahinter das Verlangen der Bewohner Athens, sich bei einer höheren Macht abzusichern, und sagte: „Das, was ihr verehrt, ohne es zu wissen, damit will ich euch bekannt machen.“ (Apostelgeschichte 17,23) Mit anderen Worten: Ihr vertraut auf so viele Dinge und seid euch doch nicht sicher, ob es genügt. Vielleicht habt ihr noch etwas übersehen, worauf ihr vertrauen solltet. Deshalb habt ihr einen Altar für den unbekannten Gott gebaut. Das Fazit, das Paulus bei seinem Betrachten der heiligen Stätten und religiösen Symbole zieht: Vertraut doch lieber gleicht auf Gott. Er ist doch letztlich derjenige, der alles geschaffen hat und dem wir unser Leben verdanken.

Es ist schon gut, genau hinzusehen, wem wir unser Vertrauen schenken. Zum einen werden das immer wieder Menschen und Firmen sein, die unser Vertrauen verdienen – wie gut, wenn es sie gibt. Zum anderen werden wir ein letztes Gefühl Sicherheit aber bei dem finden, der größer ist als wir Menschen, bei Gott. Bei ihm haben wir auf keinen Sand gebaut.

Ihr Wolfgang Dressel