Viele Kinder werden in diesen Wochen eingeschult. Sie lernen lesen, schreiben und rechnen, lernen Heimat und Natur kennen. Damit werden Grundlagen gelegt, um später einmal gut ausgebildet einen Beruf ergreifen zu können. Bildung ist allerdings noch viel mehr als die von der PISA-Studie abgefragten drei Bereiche Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften.

Bildung ist auch malen und singen, turnen und laufen, werken und glauben. Bildung ist auch das Erwerben sozialer, ethischer und religiöser Kompetenzen. Denn letztlich geht es darum, das Leben möglichst gut in den Griff zu bekommen.

„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele?“ fragt Jesus seine Jünger (Matthäus-Evangelium Kapitel 16, Vers 26). Wie es in meinem Leben aussieht, was mir wichtig ist, wonach ich strebe, ob ich zufrieden bin, ob ich ein sozialer Mensch bin, das sind Fragen, die von der Seele beantwortet werden. Wie ich mich bewusst oder unbewusst entscheide und wie ich handele, wird in der Seele entschieden, oder im Herz. Bildung ist immer auch Herzensbildung.

Was die Religion dazu beitragen kann, sind Werte wie die 10 Gebote oder das Gebot der Nächstenliebe. Wichtiger noch finde ich es, dass die Religion vermittelt: „Du bist Gottes wertvolles und geliebtes Menschenkind!“ Sich von Gott wertgeschätzt zu wissen, trägt zu einem gesunden Selbstbild bei. Dass die Kirche dies längst nicht immer vermittelt hat, ist ein dunkles Kapitel. MARTIN LUTHER hat in seiner Rechtfertigungslehre dargelegt, dass jeder Mensch unabhängig von seinen religiösen oder sonstigen Leistungen in Gottes Augen ein wertvoller und geliebter Mensch ist, eben ein „gerechtfertigter“ Mensch.

Mit religiösen Ritualen vertraut sein, biblische Geschichten und Gebete kennen gehört zur religiösen Bildung dazu. Sie sind ein Anker, den wir brauchen, wenn es ernst wird im Leben. Wer erst in Notsituationen nach einem solchen Anker sucht, wird merken: So schnell finde ich ihn nicht. Wie jede Bildung braucht auch religiöse Bildung Zeit. Insofern können Kinder gar nicht früh genug damit angefangen, am besten schon zuhause. Später können sie dann selbst entscheiden, ob sie bei der Religion bleiben wollen oder nicht. Damit sie sich entscheiden können, müssen sie die Religion aber erst einmal kennengelernt haben.

Ihr Wolfgang Dressel