Da ist jemand, dem bin ich sympathisch. Der interessiert sich für mich. Der nimmt Kontakt zu mir auf. Der bietet mir seine Freundschaft an. Wie schön! Und obwohl ich es mir genau so wünsche, kann ich es kaum glauben, denn der, der das tut, ist so ganz anders als ich. Der kann viel mehr, der weiß viel mehr, der hat Möglichkeiten, die mir nicht einmal im Traum einfallen würden. Aber er ist bereit, alles, was uns voneinander unterscheidet und uns trennt, zu ignorieren. So wichtig bin ich ihm. Dann kündigt er seinen Besuch an, und dann ist es soweit: Er kommt.

So lässt sich mit ganz weltlichen Worten beschreiben, was vor mehr als 2000 Jahren geschehen ist und der Grund ist für unser Weihnachtsfest. Gott kommt, Jesus Christus wird geboren. Ich kann das als ein Ereignis der Vergangenheit registrieren und zu den Akten legen. Oder ich kann glauben, dass dies auch für mich geschieht, natürlich nicht für mich allein, sondern für unzählige Menschen in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Aber eben auch für mich. Da ist Gott, dem bin ich sympathisch, der interessiert sich für mich, der nimmt Kontakt zu mir auf und bietet mir seine Freundschaft an. Oder mit den Worten der Bibel: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab“ (Johannes-Evangelium 3. Kapitel, Vers 16).

Wie reagiere ich darauf? Kann ich das glauben? Geistert in meinem Kopf vielleicht die Vorstellung von einem ganz anderen Gott herum, die Vorstellung von einem strengen Gott, einem strafenden Gott, einer übermächtigen Respektsperson, vor der ich mich am liebsten verkrieche und die mir ja nicht zu nahe kommen soll? Oder lasse ich es zu, dass es zu dieser Begegnung mit Gott kommt? Wenn ich es zulasse, dann wird Weihnachten auch für mich.

Zugegebenermaßen ist das kaum zu fassen, dass diese übernatürliche Macht, die wir Gott nennen, uns so nahe kommt. So heißt es in dem Kirchenlied „Ich steh an deiner Krippen hier“: „O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel‘ ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!“ Aber vielleicht gelingt es an diesem Weihnachten, wieder ein Stückchen mehr davon zu fassen, sich wieder von Gottes Liebe ergreifen zu lassen und diese Liebe weiterzugeben in unserer Welt, die Liebe so sehr nötig hat.