Manchmal muss man sich entscheiden. Schüler müssen sich entscheiden, welche Fremdsprache sie nehmen. Verliebte müssen sich entscheiden, ob sie heiraten wollen. Man muss sich für einen Beruf entscheiden, für einen Wohnort und eine Wohnung oder ein Haus. Und auch in der Angelegenheit des persönlichen Glaubens ist eine Entscheidung gefragt: Will ich Christ sein oder Muslim oder Atheist oder etwas anderes? Oder von allem ein bisschen?

Will ich auf Gott vertrauen oder auch auf meine eigene Stärke und mein eigenes Können oder sowohl als auch? Kann ich die Erkenntnisse der Naturwissenschaft als wahr erkennen und gleichzeitig an Gott glauben? – Keine leichte Entscheidung in einer Zeit, in der man nicht mehr automatisch „Ja“ sagt zu dem, wozu die Eltern und Großeltern „Ja“ gesagt haben.

Bei der Konfirmation treffen Jugendliche ihre Entscheidung. Sie werden gefragt: „Willst du an Gott glauben und an Jesus Christus, in dem Gott sich uns gezeigt hat, und am christlichen Glauben in Wort und Tat festhalten?“ Die Antwort: „Ja, das will ich.“ Mein Eindruck als Pastor nach der fünftägigen Konfirmandenfreizeit ist, dass die Jugendlichen es ernst meinen. Natürlich kann niemand in das Herz eines anderen hineinsehen. Aber vor allem die Beschäftigung mit dem selbst ausgesuchten Konfirmationsspruch hat gezeigt: Es ist den Jugendlichen wichtig, an einen Gott zu glauben, der für sie da ist, der sie beschützt, ihnen den richtigen Weg zeigt und ihnen in Notsituationen beisteht. Es tut gut an einen Gott zu glauben, der nicht einengt, sondern Freiheit gibt und seine Menschenkinder liebt, so wie er sie geschaffen hat.

Der Glaube mag je nach Erziehung und der erlebten Prägung, je nach Lebenssituation und Alter unterschiedlich aussehen. Er muss auch nicht immer gleich bleiben; Gott kann man immer wieder neu entdecken. Das macht das Christsein spannend und beweglich. Der Glaube macht frei, aber er ist nicht unverbindlich. Wer sich für Gott entschieden und eine feste Bindung zu ihm hat, d.h. ein festes Gottvertrauen, der wird sich von Gott getragen wissen, was auch immer im Leben kommen mag, in guten Zeiten und auch in dunklen Tälern.
Ich gratuliere allen, die sich im April konfirmieren lassen, zu ihrer Entscheidung. 

Ihr W. Dressel