Mündige Kirchengemeinde - dank eines starken Kirchenvorstandes

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ hat Immanuel Kant erklärt. Ist unsere Kirche eine aufgeklärte, mündige Kirche?
Ja und nein.
Ja, denn die evangelische Kirche lässt sich in Frage stellen, tritt für die Glaubensfreiheit ein und ist demokratisch verfasst. Sätze wie sie noch manche unserer Großeltern hörten „Das fragt man nicht, das muss man glauben“ sind längst überholt.

Wer Christ ist, muss seinen Verstand nicht vor der Kirche abgeben. Schon Martin Luther wandte sich gegen die Hierarchie der Geistlichkeit. Er war der Meinung: Jeder Christ soll die Bibel selbst lesen und verstehen, und jeder ist in dem, wie er glaubt, nur Gott gegenüber verpfl ichtet, aber keinem Menschen. Luther sagte: Jeder Christ wird durch die Taufe zum Priester geweiht. Entsprechend ist die evangelisch-lutherische Kirche verfasst.

Nein, so mündig ist die Kirche nicht, denn wie in vielen großen Organisationen besteht die Gefahr, dass die Menschen an der Basis nicht gehört werden. Dies liegt allerdings weniger daran, dass die Oberen in Glaubensdingen ein Unfehlbarkeitsdogma beanspruchen, sondern hat ganz weltliche Ursachen: Verwaltungsvorgänge werden vereinheitlicht und automatisiert, aus Gründen der Rationalisierung wird immer mehr zentralisiert. Kirchliche Angebote sollen professionalisiert werden und Mitarbeitende qualifi ziert werden. Dabei wird übersehen, dass christlicher Glaube und christliches Gemeindeleben nur bedingt organisiert und professionalisiert werden können. Beides ist vielmehr eine Angelegenheit des Herzens und gehört in die Hände der Basis. Allerdings muss die Basis auch bereit sein, beides in ihre Hände zu nehmen. Die Basis, das ist die Gemeinde vor Ort, und das ist der von den Gemeindemitgliedern gewählte Kirchenvorstand. Ich freue mich, dass der derzeitige Kirchenvorstand ein mündiges Gremium ist.

Kein Nicke-Kabinett, das allen Äußerungen der „Geistlichen“ und auch nicht den Verlautbarungen der übergeordneten Verwaltungsebenen unrefl ektiert zustimmt. Ich bin zuversichtlich, dass es auch im künftigen Kirchenvorstand so sein wird, der am 11. März gewählt wird. Weit mehr engagierte Christen als für unsere Gemeindegröße laut Kirchengemeindeordnung notwendig sind bereit, im Kirchenvorstand Verantwortung zu übernehmen. Darüber freue ich mich besonders. Nun ist es an allen Gemeindemitgliedern, den neuen Kirchenvorstand durch eine Wahlbeteiligung zu unterstützen. Damit wir als Kirche vor Ort auch künftig das leben können, was in der Bibel im 1. Petrusbrief so ausgedrückt ist: „Ihr seid das königliche Priestertum“ (1. Petrus 2,9).