Manchmal mag ich gar nicht mehr hinsehen. Ich meine die Tagesschau. Nicht, dass sie schlecht gemacht ist. Aber was es da zu sehen gibt! Keine Tagesschau, in der nicht von dem Elend in Syrien berichtet wird, von den Bomben, vom sogenannten „IS“, von flüchtenden Menschen, von Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte, von Übergriffen in der Sylvesternacht in Köln, von Demonstrationen mit Schlachtrufen gegen die Lügenpresse. Und wenn man dann die Tagesschau überstanden hat, kommt das Ganze in der Talkshow nochmal, aber umso ausführlicher.

Ich mag manchmal nicht mehr. Ich wünsche mir mal andere Nachrichten, gute Nachrichten, und wieviel mehr wünschen sich die Menschen in Aleppo und in den Flüchtlingslagern nahe der türkischen Grenze gute Nachrichten. Ja, uns geht es ja noch Gold. In unserem Land hält sich das Elend in Grenzen. Wir haben unseren Frieden und unser Auskommen, jedenfalls im Großen und Ganzen.

Manchmal mag ich gar nicht mehr hinsehen, aber Weggucken ist keine Lösung, und Weggucken ist auch nicht Christus gemäß. Der, nach dem wir uns Christen nennen, hat auch nicht weggeguckt, wenn er um Hilfe gebeten wurde und Menschen zu ihm kamen, für die er die letzte Hoffnung und einzige Rettung war. Und wir wissen es ja auch aus unserem alltäglichen Umfeld: Nicht weggucken, sondern hinsehen ist angesagt, wenn es Probleme gibt, in der Familie, im Beruf, mit dem Ehepartner, wo auch immer. Aber wie gesagt: Es ist nicht immer leicht, und manchmal fehlt die Kraft.

Ich glaube, dass Gott unsere Nöte sieht, in denen wir stecken, egal ob es kleine oder große Nöte sind, egal ob wir selbst Hilfe brauchen oder müde werden, anderen zu helfen. Gott sieht und weiß, wenn wir am Rande unserer Kräfte sind, und er kennt auch unser Scheitern und Versagen. Gott ist keine milde und unbeeindruckt vor sich hinlächelnde Statue, die empfiehlt, sich von allem zu lösen, was das Leben schwer macht. Da brauchen wir nur auf den Altar in unserer Kirche zu schauen, zum gekreuzigten Jesus. Gott weiß, was Leiden ist.

„Die auf den Herrn vertrauen, bekommen neue Kraft!“, heißt es beim Propheten Jesaja (Jesaja 40,31). Neue Kraft – wenn wir nichts mehr aus uns selbst herausholen können – finden wir bei Gott.

Ihr W. Dressel