Mut ist gefragt. Man braucht ihn, um sein Leben zu gestalten und zu bestehen, und in letzter Zeit braucht man ihn immer häufiger angesichts von Anschlägen, die sich jetzt auch in unserem Land häufen. Nach jedem Anschlag macht sich neue Sorge breit: Wohin wird das führen? Werden wir weiter so leben können wie bisher, vergleichsweise sorglos, in Frieden und Freiheit? Nationalistische Bestrebungen in vielen Ländern, plumpe Parolen, Machtgelüste von Regierenden, verführerische Reden vor Präsidentschaftswahlen und Volksentscheiden..., manchmal graut es mir.

Doch die Augen verschließen und der Rückzug in die Privatidylle ändern nichts. Mut ist gefragt.

„Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus 1,7). Es ist einer meiner Lieblingssätze, weil er das auf den Punkt bringt, was wir zum Leben brauchen: Keine Furcht, denn Furcht führt einerseits zur Lethargie und Handlungsunfähigkeit, und auf der anderen Seite zu Pauschalurteilen und Überreaktionen. Was stattdessen dem Leben dient, ist genau diese Mischung von Kraft, Liebe und Besonnenheit. Liebe ist nötig, die die Sorge anderer Menschen ernst nimmt, ohne blind und blauäugig zu sein. Besonnenheit ist nötig, um sich nicht von negativen Emotionen leiten zu lassen, sondern vorauszuschauen und vernünftige Entscheidungen zu treffen. Und Kraft ist nötig, um das für wichtig Erachtete dann durchzuführen.

Bitten wir Gott um den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Wir können von diesem Geist nicht genug bekommen. Wie wir fühlen und denken, hängt davon ab, wessen Geistes Kind wir sind. Und wie wir handeln, hängt davon ab, wie wir fühlen und denken. Andererseits heißt es, dass Gott uns diesen Geist schon gegeben hat. Da ist bereits etwas geschehen. Wir sind nicht von allen guten Geistern verlassen. Mag sein, dass Gottes guter Geist in Vergessenheit geraten ist und wir uns erinnern müssen: Es gibt einen Gott, der seinen Willen kundgetan hat in den 10 Geboten, und der uns gleichzeitig zugesagt hat, bei uns zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt. Wir können mit Zuversicht nach vorne schauen und mutig unser Leben gestalten, ohne Furcht, sondern mit Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Ihr W. Dressel