Wir Menschen können uns begeistern. Wir begeistern uns für Smartphones und Autos, für Schmuck und Kleidung, für Sport, Musik und noch viel mehr. In diesem Monat wird es der Fußball sein, der unsere Aufmerksamkeit erregt. Selbst diejenigen, die sich sonst weniger für Fußball interessieren, werden von der Fußballbegeisterung ergriffen. Es geht immerhin um die Weltmeisterschaft.


Es scheint vom Sport wie auch von anderen Dingen etwas auszugehen, was von unserem Geist Besitz ergreift. Wir reagieren entsprechend: Wir sind gespannt, wir hoffen, wir freuen uns oder sind traurig, der Hormonspiegel verändert sich messbar. Die Begeisterung verändert Leib und Seele und auch unseren Zeitplan. Undenkbar, gleichzeitig mit dem Eröffnungsspiel der WM beispielsweise einen Gottesdienst anzusetzen und auf volle Kirchenbänke zu hoffen.

In den Monat Juni fällt in diesem Jahr auch das Pfingstfest, das Fest der „Ausgießung des Heiligen Geistes“. Wie man sich das auch immer vorstellen mag, was in der Apostelgeschichte in der Bibel in bunten Farben geschildert wird – offensichtlich ließen sich Menschen damals beim ersten Pfingstfest von Gott begeistern, wurden vom Geist Gottes ergriffen. Sie änderten daraufhin ihr Fühlen, Denken und Handeln und begeisterten damit wiederum so viele andere Menschen, dass die christlichen Gemeinden wuchsen und wuchsen und schließlich zur Staatsreligion wurden.

Vom Wachsen der christlichen Gemeinden kann heute in unserem Land keine Rede mehr sein. Gottes Geist hat Konkurrenz. Dabei müssen sich die Begeisterung für Gott und die Fußballbegeisterung nicht ausschließen. Wenn man möchte, kann beides im Herzen Platz finden, und noch vieles andere mehr. Und gleichzeitig ist es immer ein Abwägen und eine Entscheidung: Welchem Geisträume ich wieviel Platz ein? Woran hänge ich mein Herz und wie sehr tue ich das?
 

„Prüft die Geister“

lese ich im 1. Johannesbrief in der Bibel (1. Joh. 4,1). Ich finde das eine gute Aufforderung, die mir hilft, bewusste Entscheidungen zu treffen. Zu sehen, welcher Geist da herrscht, hilft für mein persönliches Leben und auch für eine Gesellschaft und die Kirche. Auch in der Kirche gibt es nicht nur Gottes Geist, sondern andere Geister wie den Geist der Bürokratie, des Traditionalismus oder den Geist „es muss immer ein besonderes Event geben“, also Geister, die nicht gut tun. Darum prüft die Geister und lasst uns sehen, wessen Geistes Kind wir sind.

Ihr W. Dressel